Grund- und Mittelschule
Header

Inklusion

“Inklusion” – eines der Schlagworte in der

aktuellen Bildungspolitik. Doch was heißt das eigentlich?

Kurz gesagt ist es das gemeinsame Lernen und Leben von Schülerinnen und Schülern mit und ohne Behinderung in allen Schularten. Grundlage dazu ist die UN-Behindertenrechts-Konvention von 2009. Bayern baut daher sein Konzept aus, das aus Formen kooperativen Lernens und der Weiterentwicklung hin zur inklusiven Schule besteht.

 

Inklusion an unserer Schule – Klasse 2b

In meiner Klasse, die ich nun das zweite Schuljahr unterrichte, sind 19 Kinder, die insgesamt sehr heterogen sind. Dies mag auf den ersten Blick als den Unterricht erschwerend erscheinen. Häufig profitieren jedoch die Schüler von dieser Unterschiedlichkeit.
Unter den Kindern befindet sich ein Mädchen mit Diabetes Mellitus Typ 1 und ist also insulinabhängig. Bevor das Mädchen eingeschult wurde, habe ich mich mit der Beratungslehrerin Frau Kalmes von der Schule für Kranke München ausführlich beraten, um über das Krankheitsbild genauer Bescheid zu wissen und um zu erfahren, wie ich damit im Unterricht umgehen muss. Die Mutter des Kindes hat mich ebenfalls über die Handhabung der Pumpe informiert. Meine Aufgabe ist es darauf zu achten, dass sie im Vorfeld an den Verzehr ihres Pausenbrots, oder anderer zuckerhaltiger Speisen, ihren Blutzuckerwert misst und – sollte dieser in Ordnung sein – die richtigen Kohlenhydrateinheiten in die Fernbedienung eingibt. Hin und wieder ist der Blutzuckerwert zu niedrig, was sie meist auch selbst spürt und mich darauf hinweist, dann gebe ich ihr Gummibärchen oder Fruchtsaft. Nach einigen erklärenden Gesprächen nahmen ihre Mitschüler das tägliche Messen und die Pumpe, die sie in einer Handtasche stets dabei hat, als normal hin – da ja, wie die Kinder erkannt haben, jeder besonders ist und im Grunde auch jeder kleine körperliche „Defizite“ hat (die Brille der Lehrerin, die Nussallergie eines Jungen, häufiges Nasenbluten eines anderen…) Insgesamt ist der Umgang mit Diabetes natürlich „zusätzliche“ Arbeit, die sich jedoch lohnt, da das Kind eine gute Schülerin ist, sehr selbstständig mit ihrer Krankheit umgeht und im Grunde an allen Aktivitäten teilnehmen kann.
Darüber hinaus befindet sich in meiner Klasse ein Mädchen, das bis zum Schuleintritt bei seiner Oma in der Türkei gewohnt hatte und ohne ein einziges Wort Deutsch zu beherrschen in Mammendorf eingeschult wurde. Mittlerweile kann sie sich recht gut verständigen, benötigt aber bei vielen Begriffen zusätzliche Erklärungen in einfacheren Worten. Da auch einige andere (deutsche) Kinder einen nicht allzu großen Wortschatz haben, dienen zusätzliche Erklärungen nicht nur dieser Schülerin. Mittlerweile haben dadurch auch sprachlich begabte Kinder ihre Fähigkeit etwas zu erklären und Synonyme zu finden deutlich verbessert.
Da ein weiteres Kind in allen Hauptfächern große Schwierigkeiten hat, versuche ich im Unterricht so oft wie möglich zu differenzieren und Aufgaben in verschiedenen Schwierigkeitsniveaus, sowie offene Aufgaben anzubieten, so dass nicht nur dieses Kind, sondern alle Schüler gefordert werden und Erfolgserlebnisse haben. Zudem arbeite ich mit dem MSD zusammen, um Förderpläne zu entwickeln. Auch hatte meine Klasse beispielsweise letztes Schuljahr drei zusätzliche Förderstunden, die teilweise für die schwachen Kinder zur Übung und teilweise für die sehr begabten Kinder genutzt wurden.
Ein Junge meiner Klasse hat ADHS, ist sehr leicht ablenkbar und kann sich nur sehr kurz konzentrieren. Hier habe ich die Lernwerkstatt nebenan zu Verfügung, in der er in Einzelarbeitsphasen (natürlich bei offener Tür) deutlich konzentrierter und schneller arbeiten kann, da er hier weniger abgelenkt wird. Ich baue zudem nach jeder Einheit Bewegungsspiele in meinen Unterricht ein und wechsle häufig die Sozialformen, so dass die Konzentration aller Schüler erhalten bleibt.

Eva Lutzenberger (Inklusionsbeauftragte)